Stürmische lady

Eine Roman-Heldin ist für mich im besten Fall immer eine Frau, die gegen den Strom schwimmt. Das macht ihre Geschichte interessant und bietet reichlich Stoff für Konflikte. Lady Alyssa, die als stürmische Lady ihr Glück findet und auch in meinem neuen Roman eine kleine Rolle spielen wird, ist ein gutes Beispiel dafür. Sie lebt zu Beginn der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts in London.

Damals verlangte der Zeitgeist von einer Frau anmutige Schwäche. Ein blasser Teint, eine leise Stimme und eine gefährliche Neigung, jederzeit in Ohnmacht zu fallen, waren die Kennzeichen einer perfekten Lady. Jede Dame die etwas auf sich hielt, besaß eine Lorgnette, die sie am verzierten Stiel auf das zierliche Näschen hob, wenn sie etwas genauer sehen wollte. In ihrem Retikül befanden sich Riechsalz und ein Spitzentüchlein, für den Fall, dass ihr Entsetzen oder Rührung mehr als ein leises Seufzen entrissen. Bei Tisch aß sie selbstverständlich nur in winzigsten Häppchen und an den Getränken wurde höchstens genippt. Sie trug Glacéhandschuhe, um sich die ätherischen Finger nicht schmutzig zu machen und wagte unter ihren zahllosen Röcken keine großen Schritte. Jedes junge Mädchen, das in der guten Gesellschaft debütierte, musste sich an diese Regeln halten, damit die Heiratskandidaten sich gegenseitig darin überboten, sie zu schützen und anzubeten.

Dass es neben diesen Kunstgeschöpfen auch Rebellinnen gab, und tausende von Frauen und Mädchen, die sich als Dienstboten, Arbeiterinnen, Bäuerinnen und Mütter bewähren mussten, übersah die sogenannte gute Gesellschaft naserümpfend. Aus diesen Reihen habe ich mir meine neueste Heldin gesucht, die ich für meine Leser in ein realistischeres und spannenderes Regency führen möchte, deswegen kehre ich an mein Manuskript zurück und bin für heute

Marie-Cordonnier_unterschrift

 

PS: Sicher haben Sie es bemerkt, ich habe in meinem letzten Blog die englische Queen jünger gemacht als 90. Ich hoffe, Sie sehen mir den Irrtum nach.